Wozu erziehen wir überhaupt und wenn “ja”, wie?

Im Artikel “En Chlapf zur rächte Zyt: Strafen früher und heute” (zu Deutsch: “Eine Ohrfeige zur rechten Zeit: Strafen früher und heute”) denkt Rita Angelone laut über das Strafverhalten von Eltern und darüber, was Strafen überhaupt bringen, nach. Darüber hat sich eine lebhafte Diskussion entwickelt.

Machen wir einen Schritt zurück: Wozu tun wir das alles überhaupt? Doch, um unsere Kinder auf’s Leben vorzubereiten. Mit “du machst was man dir sagt sonst chlepfts” (“du tust, was man dir sagt, sonst knallt’s”) züchtet man Befehlsempfänger heran, Menschen, die sich davor fürchten, selber zu denken. Menschen, die aus Angst vor Strafe nur das tun, was man ihnen sagt.

Ich möchte das nicht. Unabhängig davon, dass genau solche Menschen die manipulierbaren Menschenmassen stellen, die zu gesellschaftlichen Phänomenen wie dem Faschismus beigetragen haben (1), ist “Befehle befolgen” nicht die wichtigste Eigenschaft, über die ein Mensch in zehn oder zwanzig Jahren verfügen muss. Um in unserer Gesellschft heute und in Zukunft überleben zu können, benötigt ein Mensch Eigenschaften wie Konfliktfähigkeit, Einfühlungsvermögen und emotionale Intelligenz.

Konfliktfähigkeit kann er jedoch nur lernen, wenn wir Eltern ihm konstruktives Konflikthandling vorleben und nicht, indem wir diese unter Androhung von Gewalt von ihm fordern. Einen Streit mit dem Kind durch eine Ohrfeige abzuklemmen ist keine konstruktive Konfliktlösung!

Auch Einfühlungsvermögen und emotionale Intelligenz lernt niemand durch Zuhören oder Befehle befolgen. So wie ich heute mit meinem Kindern umgehe, so werden sie später mit anderen Menschen umgehen, das ist die Grund”regel”.

Ich muss immer ein wenig lächeln, wenn wieder jemand sagt, diejenigen, die den antiautoritären Weg wählen, seinen zu faul zum Erziehen. Denn ehrlich: Antiautoritäre Erziehung ist Knochenarbeit! Arbeit an sich selber in erster, und Arbeit in der Interaktion mit dem Kind in zweiter Line. Denn als Eltern muss man die Familie anführen, ohne auf das gewohnte “du machst jetzt was ich sage, weil ich die Macht habe, dich dazu zu zwingen” zurückzugreifen.

Das ist in meinen Augen DIE Herausforderung überhaupt, der man sich als Eltern stellen kann.

Zum Weiterlesen:

Sowie das Buch Grenzen, Nähe und Respekt von Jesper Juul

(1) Siehe dazu die sog. Schwarze Pädagogik, die auf Gewalt und Einschüchterung als Erziehungsmittel basiert. Alice Miller definierte sie als “eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes zu brechen, es mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen.“ (Evas Erwachen, 2001)

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Über Katharina

Ü40, Soziologin, Statistikfetischistin, Texterin, Übersetzerin und an Ratgeberitis erkrankte Mama eines grandiosen Sohnes im besten Trotzalter.
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16 Antworten zu Wozu erziehen wir überhaupt und wenn “ja”, wie?

  1. Martina Diel schreibt:

    > Mit “du machst was man dir sagt sonst chlepfts” züchtet man Befehlsempfänger heran,
    > Menschen, die sich davor fürchten, selber zu denken. Menschen, die aus Angst vor Strafe
    > nur das tun, was man ihnen sagt.

    So formuliert will das natürlich keiner.
    “Es gibt hier Regeln und nicht alle werden diskutiert, sondern manche musst du genauso wie jeder andere befolgen, auch wenn du das nicht willst” bekommt man vielleicht Leute, die lernen, dass nicht die ganze Welt sich nach ihnen richtet, dass es Spielregeln gibt und dass man sie beachten sollte, wenn man nicht als Eremit leben will.

    > So wie ich heute mit meinem Kindern umgehe, so werden sie später mit anderen Menschen
    > umgehen, das ist die Grund”regel”.

    Oder auch: so wie Menschen heute ihren Kind erlauben mit ihnen umzugehen, so werden sie später mit anderen umgehen.

    Metaebene:
    Vielleicht sollte ich hier nicht mehr kommentieren, denn fast jeder deiner Artikel zu Erziehung macht mich wütend, weil er mir so weit ab von der Realität erscheint. Andere Erziehungsstile werden dämonisiert, da wird sogar der Faschismus bemüht, der Erziehungsstil, den du lebst oder zu leben versuchst, mit vielen wohlklingenden Begriffen wie Respekt etc. bedacht. Ich finde das nicht neutral, sondern extrem einseitig.
    Schade, wir haben ja früher in anderen Themengebieten so viele Übereinstimmungen gehabt. Ich bin ratlos. :-(

    • Katharina schreibt:

      Weisst Du, mir kommt das vor wie die alten Feminismusdiskussionen, wo wir gegen Typen anschrieben, die eine ganz andere Definition vom Feminismus im Kopf hatten, als wir.
      Ich sehe an Deinen Kommentaren, dass Du gegen etwas anschreibst, was ich nicht geschrieben habe. Ich habe den Eindruck, dass Du ganz an einem anderen Ort stehst und einen ganz anderen Wissensstand hast.
      Beispiel: Du hast irgendwie das Bild im Kopf, dass antiautoritäre Eltern ihren Kindern keine Grenzen kommunizieren oder sich von ihnen behandeln lassen wie der letzte Dreck. Das hat weder mit meiner Realität noch mit meinem Erziehungsstil zu tun. Wirklich überhaupt nichts.
      Anderes Beispiel: Ich kritisiere hier die schwarze Pädagogik (siehe Alice Miller, Katharina Rutschky) und Du nennst diese einen “anderen Erziehungsstil”. Da befinden wir uns irgendwie grad ganz massiv in verschiedenen Universe!
      Ja, natürlich bin ich einseitig und subjektiv: Ich schreibe über meine persönlichen Erfahrungen mit Attachment parenting und beziehe mich auf Texte, die ich gelesen und mir meine eigene Meinung dazu gebildet habe. Dazu wähle ich Themen aus, die mich interessieren. Es gibt andere pädagogische Konzepte, aber die sind hier gar nicht das Thema. Ich habe es schon in einem früheren Kommentar geschrieben: Es gibt zahlreiche Erziehungsstile aus denen man auswählen kann, nicht jeder Stil passt zu jeder Familie. All diese Stile sind durchaus gleichwertig.
      Aber nochmal: Körperliche Züchtigungen sind kein “anderer Erziehugsstil” sondern inakzeptabel und in Deutschland sogar strafbar. Ohne “wenn” und ohne “aber”!

    • Katharina schreibt:

      Martina, Ich schulde Dir noch eine inhaltliche Antwort. Aaalso. Erstens bezog sich ja dieses Posting auf eines, das von Körperstrafen handelte. Es ging also bei meinem Text primär um solche.

      Du schreibst:
      “Es gibt hier Regeln und nicht alle werden diskutiert, sondern manche musst du genauso wie jeder andere befolgen, auch wenn du das nicht willst” bekommt man vielleicht Leute, die lernen, dass nicht die ganze Welt sich nach ihnen richtet, dass es Spielregeln gibt und dass man sie beachten sollte, wenn man nicht als Eremit leben will.
      Und daneben gibt es Regeln die gelten für ein gegebenes System “Familie”. Sie sind organisch gewachsen und werden von den Familienmitgliedern akzeptiert bzw. sie “stimmen” für alle Mitglieder. Fühlt sich ein Mitglied mit einer bestimmten Regel nicht (mehr) wohl, wird ein neuer Konsens ausgehandelt, sprich: eine Regel, die alle mittragen können.
      Ich halte es für wichtig einem Kind beizubringen, seine Bedürfnisse zu kommunizieren, für seine Interessen zu argumentieren und sich für sich selber einzusetzen. Denn nur wenn alle Mitglieder der Familie dies tun, kann ein Konsens gefunden werden, der für alle passt. Wie soll ein Mensch lernen, tragfähige, lebbare Kompromisse auszuhandeln, wenn er dies nicht im sicheren Rahmen seiner Familie üben darf?
      Das erfordert Aufwand und guten Willen von allen. Aber es lohnt sich, denn damit hilft man seinem Kind auch, ein politischer Mensch zu werden, der sich für seine Interessen und die Interessen der Seinen einsetzt – weil er überzeugt ist, etwas bewirken zu können. Mir ist das noch so wichtig.
      Natürlich kann ich einen Zweijährigen nicht über jeden Bereich des Lebens mitbestimmen lassen. Aber es werden immer mehr. Ein Kind soll selbständig werden – aber dann muss ich auch so weit loslassen können, wie es von selber gehen möchte!

      Du schreibst:
      Oder auch: so wie Menschen heute ihren Kind erlauben mit ihnen umzugehen, so werden sie später mit anderen umgehen.
      Richtig.

  2. Nicole schreibt:

    Hihi, Kat, da geht die Diskussion nun also hier weiter…. ;-)
    Wieso eigentlich redet man nur von autoritärer Erziehung und antiautoritärer Erziehung? Ich finde, es gibt durchaus Themen, bei denen ich als Elternteil halt einfach “befehle”, was Sache ist, ohne dass das Kind es verstehen kann oder will. Das hat dann aber noch gar nichts mit autoritärer Erziehung zu tun. Aber ein Kind kann halt noch nicht alles verstehen, und so muss es halt auch einfach mal gewisse Regeln akzeptieren. Befehle auch mal empfangen zu können, ohne dass man den Sinn dahinter versteht, das ist sicherlich nicht die Hauptaufgabe eines Erwachsenen, aber Leute, welche das gar nicht können, haben es als Erwachsene auch nicht einfach.

    • Katharina schreibt:

      Das liebe ich an Blogs – man kann so schön vernetzen :-)
      (und ich fand’s schade, wären meine wohlformulierten Statements in einer Kommentarsektion verschwunden *hihi*)
      Es gibt noch Zig Zwischenstufen zwischen autoritär und antiautoritär, z.b. die autoritative Erziehung, zu der beispielsweise das sog. Triple-P gehört (das Konzept, mit dem die Fernsehtante arbeitete). Aber meine Kritik bezog sich wirklich ausschliesslich auf die sog. Schwarze Pädagogik, die mit Demütigung und Einschüchterung arbeitet, um Kinder zum “Spuren” zu bringen.
      Nöööö, also ich hab’s nicht so mit den Befehlen und habe zeitlebens wohl jeden Befehl hinterfragt. Da könnten meine Eltern ein Lied von singen. Strafen haben übrigens nichts gebracht, ausser dass ich das Gegenteil tat von dem, was verlangt wurde.
      Nein, einfacher wird es nicht, wenn man jeden Befehl hinterfragt und wissen will, aus welchem Grund man etwas tun soll. Aber für mich und dem Langen ist es ein sehr wichtiger Wert, wohl einer der wichtigsten, die wir haben: Ich tue etwas, weil ich es will und weil ich dahinter stehen kann. Muss ich etwas tun, wo ich nicht voll dahinter stehen kann, dann habe ich tatsächlich richtige “Chnörz”.
      Und ich kann auch ohne Glaskugel prophezeien, dass das eine ganz harte Erfahrung werden wird, einen Sohn heranzuziehen, der selber denken und hinterfragen soll. Denn als aller Erstes wird er jedes Wort von Langem und mir infrage stellen ;-)
      Oh ja, das wird garantiert hart werden!

      • Nicole schreibt:

        Hihi, dann muss ich jetzt auch noch einen Blog eröffnen?! ;-)
        Puh, wenn ich im Büro immer JEDE Anweisung hinterfragen würde, dann hätte ich es da (noch) schwerer. Da muss auch ich mal akzeptieren, dass etwas entschieden wird, was ich nicht verstehen kann (und was wohl eigentlich auch die nicht verstehen, die es entschieden haben…. ;-)). Einen Befehl zu erteilen heisst ja auch noch lange nicht, dass man nicht dahinter stehen kann. Ich sehe bei Nando übrigens auch, dass ich, je älter er wird, desto mehr erreiche mit vielen und genauen Erklärungen meiner Entscheidungen. Bei Carmen ist es aber halt schon so, dass sie auf dem Erklärungs-Ohr wohl etwas tauber ist… ;-) (bei Nando konnte ich in dem Alter schon mehr erklären; bin sehr gespannt, wie es weite geht mit unserem aufmüpfigen Mädel….).

  3. Rita Angelone schreibt:

    Katharina, danke für deine “Replik” – wir haben ja nun länger über das Thema geschrieben und du hast mich überzeugt, mich etwas vertiefter damit auseinander zu setzen. Was ich aber auch noch sagen wollte: natürlich ist antiautoritär erziehen sehr anstrengend, und das meinte ich auch, als ich heute irgendwo schrieb, dass wenn wir “ebenbürtige” Kinder wollen, dann wirds eben kompliziert und schwierig. Deshalb haben wir ja alle so einen Chnorz mit der Erziehung. Würden wir nur einfach drein hauen, dann hätten wir diese Probleme nicht, dann würden uns die Kinder ja wunderbar folgen. Das will ich ja auch nicht. Und ich tue das ja alles auch nicht. Ich sage nur, dass ich manchmal denke, dass wir uns eben die Erziehungsprobleme selber eingebrockt haben, weil wir anders denken heute. Ich ja auch. Also kurz: wir sind derselben Meinung, ich bin aber etwas hintendrein mit der Methode. Aber ich bin lernwillig.

    • Katharina schreibt:

      Das ist wie Free-Jazz: Man wirft sich den Ball hin und zurück und alle lernen dabei :-)
      Oh wie ich das liebe, aber leider fehlt mir oft die Zeit dafür.
      Juul benutzt statt “ebenbürtig” das Wort “gleichwürdig”. Weil ebenbürtig können sie ja nicht sein, sie müssen einfach noch zu viel lernen, haben noch zu wenige Erfahrungen, um da draussen in der Welt zurecht zu kommen. Wir müssen sie vertreten, sie anleiten, sie anführen – Trotzdem verfügen sie über alle Menschenrechte! Und was steht dort: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Mein Kind hat also dieselbe Würde, dasselbe Recht auf Würde, wie ich selber. Das ist mir einfach extrem wichtig.
      Übrigens halte ich dich nicht für hintendrein, eher mich. Ich habe viel Theorie intus, aber du hast viiiiiiiiiiiiiiel mehr Praxis! Ausserdem fällt dir die (zum Glück nur provisorische) Decke auf den Kopf.

    • Marie schreibt:

      Wir haben uns unsere Erziehungsprobleme definitiv selbst eingebrockt, weil wir autonome und starke Kinder wollen. Das ist ja der Krux.
      Ich finde es zum Beispiel total super, dass meine Tochter klar sagt “NEIN, das will ich nicht!”, wenn jemand sie knutschen will oder sonst wie ihre Grenzen überschreitet. Das ist wichtig. Ich verfluche es aber häufig wenn sie sagt “NEIN Mama, ich will nicht gewickelt werden!” “Kind deine Windel platzt gleich!” “Nein heisst nein!”
      Ich liebe sie für ihre starke Persönlichkeit. Aber in solchen Momenten frage ich mich: Was tun? Wir haben uns bisher immer geeingt, zum Glück.
      Aber Rita, solche Probleme sind selbstgemacht. Wie schon eine “Freundin” meiner Oma neulich sagte “So ein Geschisse hätte ich nie mitgemacht! Da gabs nen Satz hinter die Ohren und dann wurde gemacht, was ich gesagt habe!”
      Wenn das die Alternative ist, diskutiere ich gerne weiter mit meiner Tochter über Sinn und Unsinn des Wickelns ;)

      • Lorelai schreibt:

        Manchmal bleibt keine Zeit zum Diskutieren. Ich muss aus demHaus, die Windel muss weg also Kind packen und rauf auf den Wickeltisch. Da wehrt er sich auch gar nicht mehr (zum Glück ;)

  4. Andrea Mordasini, Bern schreibt:

    Hoi Katharina :)!

    Für mich sind Kinder auch gleichwürdig, ohne Wenn und Aber! Das heisst, wie ich vor Kurzem mal in Deinem Blog geschrieben habe, dass sie genau so wie Erwachsene Respekt und Anstand verdient haben! Ich habe Mühe, dass es Erwachsene gibt, die (Klein)-Kinder niedermachen, anschreien oder gar schlagen – und gleichzeitig von ihnen Anstand, Respekt und gutes Benehmen fordern. Da stimmt doch etwas nicht! Nur weil sie eben noch Kinder und unerfahren sind, sind sie doch nicht weniger Wert, gopf! Ich versuche täglich mein Bestes und begegne meinen und anderen Kindern mit Toleranz und Respekt, wenn möglich ohne laut zu werden. Denn schliesslich sind wir ihre Vorbilder, von uns lernen sie, uns kopieren und ahmen sie nach. Und dies verpflichtet ;). Kinder brauchen weder Schreie noch Prügel, sondern in erster Linie neben Respekt und einigen wenigen Regeln/Grenzen viel Liebe, Verständnis, Wärme, Nähe und Geborgenheit. So wachsen sie zu selbstsicheren, selbstbewussten und respektvollen Erwachsene heran.

  5. Lorelai schreibt:

    Tja, wenn es immer so einfach wäre wie Andrea schreibt… Aber wenn man halt an seine Grenzen kommt, passiert es halt, dass man die Nerven verliert. Das selbe passiert mir auch bei Erwachsenen, allerdings nicht, indem ich sie haue sondern indem mir die Tränen kommen.

    Meine Frage an Dich, Katharina: Da ich leider keine Zeit habe um einen Triple P-Kurs zu besuchen (findet abends statt und ich habe vor 2 Monaten mein 2. Kind bekommen) oder Erziehungsratgeber zu lesen (dito), möchte ich gerne von Dir wissen, was ein autoritativer Erziehungsstil ist bzw. wie Du konkret mit gewissen Situationen umgehst… Dein Sohn ist auch 2 wie ich gelesen habe, meiner auch. Oft wirft er mit Dingen um sich, immer öfter wirft er das Essen vom Tisch oder verteilt es auf dem Tisch oder wird gegenüber dem Baby “handgreiflich”. Er weiss, dass er all dies nicht darf und macht es dennoch und macht es auch nicht wieder gut wenn ich ihn darum bitte noch wenn ich ihm drohe (ich meine jetzt zB dass er das Essen wieder in den Teller schaufeln soll oder Dinge vom Boden aufheben). Also wie reagieren? Konkrete Tipps an dieser Stelle sind herzlich willkommen!

    • Katharina schreibt:

      Hoi Lorelai,

      Zum Thema “autoritativer Erziehungsstil” möchte ich Dich an http://www.elternplanet.ch verweisen. Dort erfährst Du sehr viel darüber und in Videos gibt die Betreiberein der Seite Ratschläge für praktische Alltagssituationen.

      Den Satz “er weiss, dass er das nicht darf” habe ich als unnütz erkannt und aus meinem Wortschatz gestrichen *grins*
      Ich weiss ja auch, dass ich ausserorts nicht mehr als 80 km/h fahren dürfte und musste auch schon Bussen bezahlen – trotzdem tue ich es ständig :-)

      Essen schmeissen und Katze hauen (in Ermangelung eines kleinen Geschwisters ;-) ) haben wir hier auch. Einerseits ist das natürlich eine Entwicklungsphase, da müssen wir alle durch. Aber Dinge wie Schwächere schlagen, das geht einfach nicht. Und dort versuche ich, vorgängig einzugreifen und nicht hinterher. Sprich: Wenn er aufzieht, halte ich die Hand des Bürschchens fest und sage: “Ich will nicht dass du die Katze haust”. Wieder und wieder und wieder, denn es bleibt natürlich vorerst noch nicht hängen. Du musst wissen: Auch Erwachsene benötigen etwa 200 Wiederholungen, um etwas wirklich intus zu haben und eine dauerhafte Verhaltensänderung herbeizuführen. Hier ist es wirklich wichtig, jedes Mal einzuschreiten! Denn Tiere (oder Geschwister) zu hauen ist inakzeptabel. Da musst Du auch keine Angst haben, psychischen Schaden anzurichten: Wenn Du das Kind davon abhältst, auf die Strasse zu rennen, überlegst Du ja auch nicht zuerst ob das für seine Psyche jetzt schlecht sein könnte. Du packst es und hinderst es, seine Schnapsidee auszuführen. Dasselbe gilt auch für die Grenze “Aggression gegen Geschwister”. Die darf nicht überschritten werden! “Grenzen setzen” in diesem Zusammenhang bedeutet nicht: Das Kind die Grenze überschreiten lassen und es danach dafür bestrafen. “Grenzen setzen” bedeutet auch nicht das Kind einfach machen zu lassen und hierher zu sagen “jetzt bist du zu weit gegangen, die Grenze wäre dort und dort gewesen”. “Grenzen setzen” in diesem Zusammenhang heisst: Dem Kind die Regel klar kommunizieren (“in unserer Familie werden keine Schwächeren geschlagen”) und dann das Kind daran hindern, diese Regel zu verletzen.

      Zum Thema “Geschwistereifersucht” allgemein kann ich aus eigener Erfahrung nicht viel beitragen. Eventuell hilft der Artikel hier schon mal weiter?
      http://www.mit-kindern-wachsen.de/es-ist-so-schwer-mama-und-papa-pl%C3%B6tzlich-zu-teilen

      • Lorelai schreibt:

        Danke dir! Tja, wenn das Verhindern so einfach wäre!! :( Ich würde das Baby am liebsten irgendwo an die Decke hängen. Und zum Stillen würde ich mich gerne EInschliessen! Aber das geht ja beides nicht und ich denke es ist auch für den Kleinen und sein Verhältnis zum Baby nicht gut wenn ich sie dauernd wegsperre. Er will ja auch mal “eia” machen und Küsschen geben, soll er auch dürfen. Ist eh schon doof genug und auffälliig, dass ich dabei dauernd hinter ihm stehe wie ein Geier. Dabei ist es halt leider oft genug nicht beim Streicheln geblieben. Schnell ist eine gehauen oder ein Biss in den Fuss getan. Ich war zu langsam :(
        Aber danke für Deine Gedanken! Sie haben mir sehr geholfen. Ich bin nur noch leider nicht so gut auf dem Weg wie ich sein sollte :(

  6. Maja schreibt:

    “Das ist in meinen Augen DIE Herausforderung überhaupt, der man sich als Eltern stellen kann”.

    Das sehe ich auch so, es ist viel schwieriger immer Geduldig zu sein, einen kühlen Kopf zu bewahren und zu erklären, als einfach zu bestimmen. Meine Tochter möchte immer schon viel alleine machen und manchmal sind mir Dinge wie alleine auf die Fensterbank klettern doch etwas zu riskant, dann biete ich ihr meine Hilfe an oder lasse mich in eine Kleinkind Diskussion verwickeln, wenn mein Kind aber trotzdem unbedingt möchte. Das dauert alles viel länger und kostet mich mehr Kraft, als wenn ich sage: “Das reicht, kommt runter”.

  7. Nemo schreibt:

    Meine Herausforderung, die meine Eltern an Mich stellten ist eine ganz einfache Sache – Stichwort vernachlässigender Erziehungsstil. Ich bin nichtmal in der Lage zu Arbeiten, bevor ich aus meinem Elternhaus nicht herrauskomme. Habe ich Konfliktprobleme? Ziemliche!
    Mit Ihr ist es, als würde ich gegen eine Steinwand reden, die daraufhin auf mich herrabregnet. Jedes Mal, wenn ich versuche auch nur eine Frage von Ihr beantwortet zu kriegen, habe ich wieder etwas Falsches getan, denn, simpel gesagt, es kümmert Sie nicht, wie es Mir geht.
    Ob ich nun heulend vor Ihr zusammensacke und Sie beschwichtigend sagt, dass Sie auch mal gemobbt wurde und das wieder vorbei geht – oder Ich Ihr sage, dass sich einer meiner Freunde umgebracht hat, und gerade nicht wirklich Lust darauf habe, ein Gespräch darüber zu führen, dass Sie neue Vorhänge gekauft hat.

    Eines habe ich jedenfalls aus Konfliktsituationen mit Ihr gelernt und auf die mit Mir selber zurückführen können; Ich bin jedesmal Schuld.

    Meine große Angst ist es, dass Sie es bei meiner kleinen Schwester wiederholt.

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