Erfahrung der Mutterschaft: So rum oder so rum?

Als ich mich auf das Abenteuer des Mutterwerdens einliess, war für mich selbstverständlich, dass dazu das ganze Paket von Schwangerschaft, Geburt und Stillen gehören sollte. Meinem Kind beim Wachsen und Gedeihen helfen, mit vollem körperlichem Einsatz. Für mich gehört das einfach zusammen und ich wollte diese Erfahrung ganz oder gar nicht machen.

Umso erstaunter bin ich jeweils, wenn ich so etwas zu Lesen bekomme, wie Rita Angelone neulich beschrieb. Wunschkaiserschnitt, ok, die Frauen werden ihre Gründe haben, auch wenn ich sie nicht nachvollziehen kann. So dachte ich immer.

Obwohl ich selber wochenlang damit haderte, dass ich die Erfahrung einer Geburt selber nicht machen konnte (kein Arzt wollte das Risiko einer Steissgeburt mit einer “Spätgebärenden” und einem Riesenbébé auf sich nehmen) und aus medizinischen Gründen zum geplanten Kaiserschnitt “gezwungen” war – und ja, auch dankbar für diese Möglichkeit bin, die meinem Sohn und mir das Leben gerettet hat – obwohl ich selber also traurig war, die Erfahrung der Geburt nicht machen zu können, hatte ich keinerlei negative Gefühle den Frauen gegenüber, die freiwillig darauf verzichten. Es ist schliesslich ihre Entscheidung, und die hat mit meiner eigenen Situation überhaupt nichts zu tun. Für mich würde sich auch dann nichts ändern, wenn sie sich anders entschieden.

Heidi Klum

Too posh to push: Heidi Klum
fotografiert von The Heart Truth (The Heart Truth Fashion Show 2008) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Wo ich aber wirklich an die Grenzen meiner Tolerierfähigkeit komme, ist wenn ich so etwas lese, wie in diesem Blick-Artikel (“Bitte eine Frühgeburt!“). Da gibt es also tatsächlich Frauen, die, um ihren Körper nicht zu ruinieren, ihre Babies nicht bis zum Entbindungstermin austragen, sondern bereits nach acht Monaten holen lassen. Damit ihr “Kapital” keine Streifen bekommen und nirgends nichts schwabbelt. Einige davon kann man hierbewundern.

Gisèle Bündchen

Hausgeburt in der Badewanne: Gisele Bündchen
(picture byn Tiago Chediak [CC-BY-2.5], via Wikimedia Commons)


Es sind aber auch ein paar darunter, die haben tatsächlich einfach gute Gene, eine Bindehaut, die unsereinen das Wasser in die Augen treibt und eine Disziplin des Grauens, was das Rübi-Turnen angeht. Nichts mit regelmässigen Kühlschrankgängen anstelle eines Fitnessprogramms! So hatte beispielsweise die Brasilianerin Gisele Bündchen Ende 2009 eine termingerechte Hausgeburt in der Badewanne, mit Yoga und Hypnobirthing und erklärte kurz darauf den Medien, dass sie während der Geburt keine Schmerzen verspürt habe. Für die rasche Wiederherstellung ihres “Berufsgewichtes” machte sie damals das Stillenverantwortlich und forderte auch gleich ein weltweites 6-Monate-Stillobligatorium.

Jetzt sind wir natürlich gespannt, wie sich die AP-Mutter Bündchen bei der zweiten Schwangerschaft (ver)halten wird. Wird sie Streifen und Dellen bekommen, wie normale Frauen? Ich bezweifle es. Aber obwohl sie ein Bisschen “gleicher” ist, als unsereins, finde ich es wichtig, dass Frauen wie sie – Role Models für die jungen Frauen – sich hinstellen und öffentlich sagen: Man kann auch natürlich gebären, sein Kind stillen und tragen, und trotzdem schön sein und einem Beruf nachgehen!

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Wer verpasst hier was?

Rutschbahn

Zum 100. Mal rückwärts auf dem Bauch macht mehr Spass, als das unbekannte Abenteuer…

Ich wüsste, dass anderswo etwas stattfinden würde, was Kurzem grossen Spass bereiten würde. Trotzdem sitze ich auf der Bank am Spielplatz, während er zum gefühlt 500sten Mal die Rutsche runterrutscht – neuerdings rückwärts auf dem Bauch.

Er wollte Rutschen. Unbedingt. Obwohl ich ihm das Alternativprogramm schmackhaft zu machen versuchte, zog er die alte Rutsche “seines” Spielplatzes vor. Mir war’s egal. Also der Spielplatz.

Dabei überlegte ich mir dann, ob das wirklich in seinem Interessen ist. Oder wäre es besser gewesen, ihn trotz Protest und 99% Trotzanfallwahrscheinlichkeit unter den Arm zu klemmen und besagten Anlass zu besuchen, auf dass er etwas Neues erlebt. Logo, sobald wir dort angekommen wären, wäre auch die Kleinkinderwelt wieder in Ordnung gewesen. Aber Kleinkinder ziehen nun mal den Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vor. Immer und in jedem Fall. Und das Vertraute dem Unbekannten. In ihrem Bemühen, die Welt zu erforschen und zu verstehen, hängen sie an den Teilen davon, die sie schon kennen.

Uns Eltern macht das nicht immer Freude. Zum Millionsten Mal dieselbe CD anhören, zum Zweimillionsten Mal dieselbe Geschichte auf exakt genau dieselbe Art und Weise erzählen (sonst WEHE!), immer auf den selben Spielplatz spielen gehen. Vertraute Handlungen, rituelle Abläufe, Routinen.

Ich bin auf den Spielplatz und nicht an den Anlass. Kurzer wird die Welt in seinem Tempo entdecken. Das ist seine Wesensart als Kind der Spezies Homo Sapiens Sapiens. Aber heute benötigte er eine vertraute Umgebung und vertraute Spiele.

Ein wenig schade, finde ich, denn er hat etwas verpasst

Hat er das wirklich? Er ist nach einem Tag nach seinen Wünschen zufrieden in die Badewanne und danach ins Bett gestiegen, hat Papa und mir nochmal erzählt, was er alles gesehen und erlebt hat (eine Schnecke im Landrover!) und ist dann müde eingeschlafen.

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Die Mutter gehört zum Kind!

Falsch gewickelt, liebe Leute!

Licia Ronzulli mit Tochter Victoria

Licia Ronzulli mit Tochter Victoria (September 2010)

Das Kind gehört zur Mutter. Nicht umgekehrt!

Wie soll es denn von seinen BetreuerInnen lernen können, wie die richtige Welt funktioniert, wie soll es die vielen Dinge lernen können, die es in seinem Leben brauchen wird, wenn es die ersten paar Jahre in einer sterilen, mit Wattebäuschen ausgelegten Kinderzimmerwelt verbringen muss?

Ihr erinnert Euch an Licia Ronzulli? Ja genau, Licia Ronzulli, die Italienische Abgeordnete im Europaparlament, die im September 2010 ihre kleine Tochter Victoria mit zur Arbeit brachte. Sie stillte, im Tragetuch trug und während Abstimmungen abknuddelte. Das Schöne: Sie tut es immer noch!

Licia Ronzulli mit Victoria, ihrer Tochter, im Europaparlament

Licia Ronzulli mit Victoria, ihrer Tochter, im Europaparlament

Jetzt kann man sich natürlich fragen, ob ausgerechnet das Europaparlament die richtige Umgebung für ein Kind ist, um aufzuwachsen. Vermutlich nicht. Noch nicht. Es wird zur richtigen Umgebung werden, sobald andere Parlamentarier und Parlamentarierinnen Ronzullis Beispiel folgen und ebenfalls ihre Kinder – aller Altersklassen – mitnehmen.

Denn für eine gesunde Entwicklung gehören Kinder nicht in Kinderzimmer und Gleichaltrigen-Kindergruppen in einer “Kinderwelt” weggesperrt, sondern unter die Leute, grosse und kleine, Erwachsene, Kinder und Jugendliche, Männer und Frauen. Nur so können sie die gesamte Bandbreite menschlichen Verhaltens kennenlernen.

Geht nicht zu den Kindern, bringt sie mit raus! Das ist gesünder -  nicht nur für die Kinder!

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Wem gehören meine Brüste?

Unter dem Titel “Deutschland und meine Brüste” schreibt Fuckermothers einen offenen Brief an die “Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung”. Ein wunderbar unaufgeregter Artikel, der sich zwar was das Stillen betrifft, nicht mit meiner eigenen Erfahrung und Einstellung deckt (muss er aber auch nicht). Ich empfinde es als positiv, dass die Autorin nicht sofort in eine diesere unsäglich destruktiven Stillen-versus-nicht-stillen-Diskussionen umgeschwenkt ist. Solche überschwemmen seit dem gestrigen Titelbild der US-amerikanischen Zeitschrift “Time”, das einen stillenden Dreijährigen mit seiner Mutter zeigt, ohnehin das Internet. Brüste! Brüste, die nicht zur Belustigung unserer männlichen Mitmenschen abgebildet werden, sondern als Nahrungsquelle für unsere Kinder.

Was ich in der ganzen aktuell stattfindenden Debatte vermisse, ist, dass das Stillen nicht als Norm rüberkommt, sondern als “das Besondere”, das “Exotische” und Langzeitstillen sogar als das “Abartige” und “Abnormale”. Dabei würde ja auch niemand abstreiten, dass es der Norm entspricht, wenn ein Lämmchen Schafsmilch trinkt oder ein Kätzchen Katzenmilch, und zwar genau so lange, wie es diese Milch benötigt. Nur beim Menschen wird das in Frage gestellt.

Das hat aber nicht mit doofen Broschüren einer Hand voll alter Herren Professoren zu tun, sondern mit der Darstellung von Weiblichkeit, Mutterschaft, etc. in der Öffentlichkeit: Weibliche Brüste dürfen nicht gezeigt werden und wenn, dann ausschliesslich als allzeit für Männer verfügbare Sexualobjekte. Viel mehr Impakt als Stillkampagnen würde es haben, wenn in diesem Bereich unsere Gesellschaft wieder zur Normalität zurück finden und sich diese Normalität auch in den Medien widerspiegeln würde.

Das Stillen, wie auch die Geburt, eigentlich die gesamte menschliche Reproduktion, gehören zu den Schlüsselthemen der weiblichen Emanzipation bzw. des Gegenteils davon. Und diese Themen müssen wir uns zurückholen!  Schlussendlich geht es nicht darum, ob wir stillen oder nicht, sondern darum, dass WIR SELBER die Entscheidung dazu treffen.  Die Entscheidungshoheit über unsere Körper und die Körper unserer Kinder dürfen wir uns weder von einem aus alten Männern bestehenden Expertengremium (Experten? hat auch nur einer von denen jemals seinem Kind die Brust gegeben? na also!) , noch von einer milliardenschweren Nahrungsmittelindustrie wegnehmen lassen.

Weder den alten Männern noch den Nahrungsmittelindustriellen geht es um unser Wohl oder das Wohl unserer Kinder. Den einen geht es um Macht, den anderen um Geld.

Deshalb dreht sich die Frage einmal mehr um unsere Selbstbestimmung! Unsere Brüste gehören uns. Und ich für meinen Teil entscheide in diesem Bereich selber, in Absprache mit meinem Partner, was für mich, mein Kind und meine Familie am Besten ist!

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Meta: Suchbegriffe

Nach Durchlesen der Blogeinträge von Antje Schrupp, Das Nuf und Journelle zum Thema “Relevanz” und einigen Gedanken dazu, habe ich wieder mal die Statistiken meines eigenen Blogs betrachtet. Bin ich relevant? Sind meine Beiträge relevant?

Interessanterweise sind die Top-3-Suchbegriffe für mein Blog folgende:

  1. obszöne bilder
  2. erziehung früher
  3. obzöne bilder

Spannend, spannend! Habe ich erwähnt, dass ich eine über Erziehungsthemen bloggende Spätmutterundaltemanze bin?

Da fragt man sich als Autorin eines kleinen, unbedeutenden Blogs ganz weit Aussen am Rande des Universums halt schon, welche Bedeutung man hat und für wen…

Obzöne Bilder gibt’s hier sicher zuhauf und wem dieses hier nicht obzön genug ist, der sei auf “Types of Diaper Loads” bei How to be a Dad verwiesen.

P.S. “Resonanz tönt besser, als Relevanz” meint Denkding zu diesem Thema. Wie wahr, wie war.

P.P.S. Am Tag nach diesem Posting, am 11. Mai, hat sich noch ein viel besserer Suchbegriff heraus kristallisiert: “sex geschichten mann mit weiblichen busen”

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Noch mehr gute und bessere Gründe für Trotzanfälle

Ich habe ja schon vor einigen Wochen über die Gründe berichtet, die als Auslöser für Trotzanfälle dienen können. In den Kommentaren habt Ihr, werte Leserinnen und werte Leser, noch zahlreiche andere, sehr gute Gründe geliefert. Von Euren Kindern könnte mein Sohn noch einiges lernen!

So schrieb Marie, von Mutterschutzgebiet:

Auch gute Gründe für den totalen Kleinkindernervenzusammenbruch:
- keine Schokolade zum Abendessen
- kein sechstes Buch abends zum einschlafen
- Mama hat das falsche Glitzershirt ausgesucht
- Kind darf nicht mit dem Laufrad das Treppenhaus runterfahren

Kurzer meint dazu, es könne durchaus auch das sechste Mal dasselbe Buch sein, das ginge also auch. Und Schokolade nur zum Abendessen sei ein wenig wenig, auch keine Schokolade zum Frühstück, “Znüni”, Mittagessen, Dessert, “Zvieri” oder spätabends seien gute Gründe, um das volle Programm hinzulegen. Glitzershirts und Laufräder gäbe es hier keine, ob sich das Trotzen dafür denn lohne, möchte Kurzer auch gerne wissen.

Tanja vom Nuggizmorge (“Schnullerfrühstück”) hat gleich zwei Kinder im richtigen Alter. Und auch sie sind nicht unkreativ, wenn es um das Finden von guten Trotzgründen geht:

….keine Sandalen bei -12 Grad anziehen
.. .darf nicht mit den Schuhen des Nachbarmädchen herumlaufen (2 Nummern zu klein)
….darf nicht alles aus den Gestellen in der Migros reissen
….darf nicht mit dem kleinen Einkaufswagen in die Beine der Leute rasen
….Ostereier im Gestell dürfen nicht geöffnet werden
….Mütze hat die falsche Farbe
….die Jacke, die sie anziehen will, ist in der Waschmaschine
…Bruder hat das Auto genommen, das sie auch gerade wollte
….es gibt kein Milchfläschchen kurz vor dem Essen

Auch hier finden sich ein paar Klassiker auf der Liste: Die Sache mit der Jacke, die Spielsachen, die man immer nur dann benötigt, wenn ein Geschwister sie genommen hat, und die Schokoladeneiner. Die himmeltrauriglausigensatansbratigen Schokoladeneier haben uns so manchen Anfall – die ganze Palette rauf und runter – beschert! Wer hat eigentlich Ostern erfunden und war der Zweck von Ostern wirklich nur das Quälen von Trotzkindergeplagten Eltern? Das verzweifelte “Oooooooooooooooggggiiiiiiiiiiiiiiii”-Gebrüll, nachdem sowohl alle Osterhasen als auch alle Eier aus der süssen, braunen Masse verzehrt waren, wird mir zeitlebens in den Ohren liegen!

Nicht schlecht ist ein Grund, den Frau Gminggmanggs Töchterchen Ypsilon in die Runde warf:

Einer der besseren Trotzanfallsgründe war der Umstand, dass das Loch in der Wand nicht mit in die KiTa genommen werden durfte.

So unkreative Eltern hat das arme Kind! Dabei hätte man nur die KiTa zum Loch bringen brauchen und die Welt wäre in Ordnung gewesen!

Desperate Working Mum‘s Tochter wäre lieber länger im Urlaub geblieben, wer mag’s ihr verdenken? Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass auf Kreta so viele Griechen leben:

…nicht mit dem Flughafenbus von Kreta nach Hause zu fahren

Man bräuchte nur die Schwimmflügel dem Bus zu montieren und ab ginge die Post. Gute Eltern ™ würden sich etwas mehr Mühe geben, die Nöte ihrer Kinder ernst zu nehmen und nach Lösungen zu suchen! So. Das musste auch mal gesagt sein!

Lies von Lott übernimmt das Trotzen grad selber:

[..] manchmal – so drei- bis sieben Mal am Tag – möchte ich mich auch einer sinnlosen Trotzhaltung hingeben einen Wutwahn haben und einfach die Welt ganz doof finden.

Das gefällt mir! Das übernehme ich doch glatt als Fazit für die nächste Zeit und schmeisse mich daneben auf den Boden!

Nun, mit Stolz darf ich berichten, dass dank unserer überragenden pädagogischen Fähigkeiten die Trotzphase unseres Sohnes bereits nach sechs Wochen überwunden, und seither nicht mehr wiedergekommen ist. während vier Wochen Virusgrippe mit anschliessendem RSV etwas in den Hintergrund getreten ist. Ich glaube, er hat neuen Anlauf geholt. Jedenfalls holt er momentan alles nach, was er während dem Krank sein verpasst hat.

In diesem Sinne: Mann bin ich froh, ist das unausgeschlafene Gör heute in der KiTa und nicht hier im Büro! 1

1 Liebe Leserinnen und Leser, bevor hier jetzt Unterschriften gegen mich gesammelt werden: DAS WAR EIN WITZ! Ich liebe meinen Sohn abgöttisch und habe ihn in jedem Aggregatszustand gerne hier bei mir. Aber wer zwischendurch einen Tag frei bekommt, freut sich wieder um so mehr auf sein Kind!

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Gute und bessere Gründe für einen Trotzanfall

Ein Zweijähriger – man denke an die englische Bezeichnung “terrible twos” – kennt viele gute Gründe, um sich in Tränen aufzulösen und stundenlang zu toben oder zu schmollen. Schliesslich muss er seine Freiheit vom elterlichen Gängelband regelrecht er-trotzen. Hier also ein paar gute Gründe, die bei unserem Sohn (2 Jahre 4 Monate) schon zu Trotzanfällen geführt haben:

  • es gab nachmittags um halb vier kein Raclette
  • die Kirchenglocken hörten einfach auf zu läuten
  • es gab keinen Hustensirup einfach so ohne Husten zu haben
  • die Briobahn war nicht mit den Lego kompatibel
  • man durfte nur einmal abstimmen (nur ein Couvert in die Urne werfen)
  • die zu kleinen Winterstiefel gehen nicht mehr an die Füsse

Daneben gab es natürlich auch wesentlich weniger gute Gründe:

  • er wollte die Steckdose
  • er wollte auf dem Spielplatz bleiben, obwohl er Kleinere von der Rutsche schubste
  • er wollte die Steckdose
  • er wollte das Bügeleisen
  • er wollte die Steckdose
  • er wollte den Kochherd
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Gedanken zum Tag der Frau

Reblogged from Warum alles auch ganz anders sein könnte.:

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Muttertag, Valentinstag, Frauentag. Als mit meinen Möglichkeiten unzufriedene Frau würde ich mich nicht mit Gedenktagen abspeisen lassen.— Ronnie Grob (@ronniegrob) March 08, 2012

Ronnie Grob hat Recht. Ein Tag nützt wenig. Und doch kann er zum Anlass genommen werden, mal wieder zu sagen, weshalb es so einen Tag vielleicht doch noch braucht.

  1. In den letzten Jahren wird Geschlecht vermehrt wieder als etwas Biologisches gedacht – mit fatalen Konsequenzen.

Weiterlesen… 767 more words

Wir hätten ihn fast vergessen, den Tag der Frau. Und das ist irgendwie auch bezeichnend. Stolperfalle Nummer Eins ist und bleibt die Mutterschaft und daran arbeiten wir nach wie vor: Nicht die Mutter 1)  gehört zum Kind, sondern das Kind zur Mutter. Unabhängig davon, ob die Motocrossfahrerin, Bürokauffrau oder Ärztin ist! Lösungen müssen her, damit nicht nur Kinder, sondern vor allem auch ihre Mütter artgerecht gehalten werden können und nicht zwischen Windeln und Abwaschmaschine verblöden müssen, nur weil ein obsoletes System sie dazu zwingt. 1) Der Begriff "Mutter" wurde hier aus statistischen Gründen anstelle von "Hauptbetreuungsperson eines Säuglings" verwendet.
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Wozu erziehen wir überhaupt und wenn “ja”, wie?

Im Artikel “En Chlapf zur rächte Zyt: Strafen früher und heute” (zu Deutsch: “Eine Ohrfeige zur rechten Zeit: Strafen früher und heute”) denkt Rita Angelone laut über das Strafverhalten von Eltern und darüber, was Strafen überhaupt bringen, nach. Darüber hat sich eine lebhafte Diskussion entwickelt.

Machen wir einen Schritt zurück: Wozu tun wir das alles überhaupt? Doch, um unsere Kinder auf’s Leben vorzubereiten. Mit “du machst was man dir sagt sonst chlepfts” (“du tust, was man dir sagt, sonst knallt’s”) züchtet man Befehlsempfänger heran, Menschen, die sich davor fürchten, selber zu denken. Menschen, die aus Angst vor Strafe nur das tun, was man ihnen sagt.

Ich möchte das nicht. Unabhängig davon, dass genau solche Menschen die manipulierbaren Menschenmassen stellen, die zu gesellschaftlichen Phänomenen wie dem Faschismus beigetragen haben (1), ist “Befehle befolgen” nicht die wichtigste Eigenschaft, über die ein Mensch in zehn oder zwanzig Jahren verfügen muss. Um in unserer Gesellschft heute und in Zukunft überleben zu können, benötigt ein Mensch Eigenschaften wie Konfliktfähigkeit, Einfühlungsvermögen und emotionale Intelligenz.

Konfliktfähigkeit kann er jedoch nur lernen, wenn wir Eltern ihm konstruktives Konflikthandling vorleben und nicht, indem wir diese unter Androhung von Gewalt von ihm fordern. Einen Streit mit dem Kind durch eine Ohrfeige abzuklemmen ist keine konstruktive Konfliktlösung!

Auch Einfühlungsvermögen und emotionale Intelligenz lernt niemand durch Zuhören oder Befehle befolgen. So wie ich heute mit meinem Kindern umgehe, so werden sie später mit anderen Menschen umgehen, das ist die Grund”regel”.

Ich muss immer ein wenig lächeln, wenn wieder jemand sagt, diejenigen, die den antiautoritären Weg wählen, seinen zu faul zum Erziehen. Denn ehrlich: Antiautoritäre Erziehung ist Knochenarbeit! Arbeit an sich selber in erster, und Arbeit in der Interaktion mit dem Kind in zweiter Line. Denn als Eltern muss man die Familie anführen, ohne auf das gewohnte “du machst jetzt was ich sage, weil ich die Macht habe, dich dazu zu zwingen” zurückzugreifen.

Das ist in meinen Augen DIE Herausforderung überhaupt, der man sich als Eltern stellen kann.

Zum Weiterlesen:

Sowie das Buch Grenzen, Nähe und Respekt von Jesper Juul

(1) Siehe dazu die sog. Schwarze Pädagogik, die auf Gewalt und Einschüchterung als Erziehungsmittel basiert. Alice Miller definierte sie als “eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes zu brechen, es mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen.“ (Evas Erwachen, 2001)

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Das Recht, zu trotzen!

In einer Diskussion tauchte die Frage auf, welche elterlichen Interventionen funktionierten, um ein trotzendes Kleinkind vom Weinen und Toben abzubringen.

Mich stört in diesem Zusammenhang der Begriff “Funktionieren”. Die Trotzphase kommt in allen menschlichen Kulturen, ja sogar bei den Primaten vor. Das bedeutet, ein trotzendes Kind funktioniert innerhalb normaler Parameter. Es muss trotzen, es durchläuft ein biologisches Programm (dessen Sinn und Zweck wir einfach noch nicht ganz verstehen).

Das Kind hat das Recht, zu weinen!

Ich würde mich ja schön bedanken, wenn ich aus lauter Verzweiflung am Weinen wäre und mein Lebensgefährte käme und würde sagen: “jetzt hör’ mal auf damit” oder “ich will hier in Ruhe [wasauchimmer], geh’ in dein Zimmer weinen” oder nach funktionierenden Tricks fragen würden, damit ich aufhöre zu weinen und am liebsten auch nie mehr damit anfangen täte. Würde mein Gefährte so mit mir und meinen Gefühlen umgehen, ich würde mich selber und ihn fragen:

Redet man so mit dem geliebten Menschen?

Eltern sind auch nur Menschen, richtig. Aber trotzdende Kleinkinder auch. Alleine deshalb haben sie unseren Respekt und unsere Unterstützung verdient, wie jeder andere Mensch auch. Wenn wir das als Eltern fertig bringen – auch hier gilt: Übung macht die Meisterin! – dann haben wir einen grossen Schritt in unserer eigenen Persönlichkeitsentwicklung machen können und werden dadurch wiederum zu besseren Vorbildern für unsere Kinder.

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