Ich bin diese unprofessionellen Anfragen so leid | Journelle


Ich mag nicht mal mehr selber dazu bloggen. BIS HIER STEHT MIR DAS! WIRKLICH! UND DIE ANTWORT IST NEIN!

Ich bin diese unprofessionellen Anfragen so leid | Journelle.

Und hier noch meine Antwort an Werbetreibende. Bitte, wenn ihr schon behauptet, meinen Blog gelesen zu haben, dann respektiert doch bitte meine diesbezüglichen Wünsche. Danke!

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Tante Käthe kennt die Antwort


Wahrsagerin

Es gibt keine dummen Fragen
(Bild: Karina / pixelio.de)

Seit es Menschen gibt, suchen sie Antworten auf die grossen Fragen des Lebens. Erst gab es Schamanen, dann Priester und Orakel. Und neuerdings gibt es Google, das die Ratsuchenden auf meinen Blog führt. Hier möchte ich den Ratsuchenden eine Stimme geben und sie eine kleine Strecke auf ihrem steinigen Weg begleiten.

“baby schläft nicht im eigenen bett”: Der Long-Burner unter den Suchanfragen, die auf meine Seiten führen. Allein im letzten Monaten haben über 50 Suchende bei Google auf meine Seiten geklickt.
Was soll ich dazu sagen?
Als mein Sohn noch ein Baby war, musste er im eigenen Bett schlafen. Er konnte ja nicht raus. Har, har.
Nein. Natürlich nicht. Ganz ernsthaft: Ich sehe das Problem nicht so ganz. Menschen sind verschieden. Babys sind Menschen. Manche schlafen besser in Gesellschaft, andere besser alleine. Menschen müssen nicht im eigenen Bett schlafen. Es gibt meines Wissens jedenfalls kein Gesetz, das Schlaforte reguliert.
Und dass man die Kurzen nie mehr aus dem Elternbett rauskriegt, halte ich für ein Gerücht. Ansonsten könnt Ihr ja das Elternbett den Kurzen überlassen und auf dem Sofa schlafen…

“wem gefällt stillen nicht” und “beim stillen an körperliche grenzen stossen”:  Ganz ohne humorige Sprüche… Stillen hat ganz viele Vorteile und ist das beste für Mutter und Baby – jedoch nur, und wirklich nur dann, wenn es sich beide damit wohl fühlen!
Wenn Sie nicht stillen möchten, dann stillen Sie nicht! So können Sie auch gleich mit üben anfangen, die Meinungen anderer Leute zu ignorieren. Denn eines trifft ausnahmslos auf alle Mütter zu: Es gibt immer jemand, der ihre Entscheidungen lauthals in Frage stellen wird.
Wenn Sie stillen möchten, aber dabei nicht richtig wohl sind oder Schmerzen haben, wenden Sie sich am besten an eine qualifizierte Laktationsberaterin. Vergessen Sie dabei nicht: Die Beraterin berät – aber die Mutter entscheidet!
Wenn Sie nicht (mehr) stillen möchten oder können, kann Ihnen eine Laktationsberaterin auch beim sanften Abstillen und Übergang zur Flasche ohne schlechtes Gewissen helfen.
In der Schweiz werden 3 Konsultationen bei der Laktationsberaterin von der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt.
Adressen finden Sie beim Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen (Deutschland), beim Berufsverband Schweizerischer Stillberaterinnen (Schweiz), oder bei der LLL (stillberatung.ch)

“meine mutter hat angst um mich”: Jetzt bin ich natürlich selber neugierig: Weshalb fragen Sie Google und mich, statt Ihre Mutter? Sie kann Ihnen ganz genau sagen, wo das Problem liegt.

“nackte mutter”: Nein, Du möchtest mich nicht nackt sehen. Nope. Sicher nicht.

 “kinder ficken”: Geht und fickt Euch selber, Arschlöcher, bevor ich Euch Eure eigenen Eier zu fressen gebe auf dass ihr daran erstickt!

“warum nicht im familienbett rauchen”: Bitte fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker für ein Kraut gegen Dummheit.

 “kinderbuch nicht hauen”: Nein, Bücher soll man nicht hauen. Bücher sind meine Freunde und Freunde haut man nicht. Oder meinten Sie, “mit einem Kinderbuch hauen”? Das tut man auch nicht. Erst recht nicht seine Freunde.

“wie erzieht man kinder”: So viele Anfragen! Da sollte mal einer ein Buch darüber schreiben! Ernsthaft jetzt.

“vater versohlt mutter”: Wenn das sexuell gemeint ist, wünsche ich viel Spass dabei. Wenn nicht, dann wenden Sie sich bitte an Ihre örtliche Polizeidienststelle oder an das Frauenhaus und nicht an Google!

“lesbische stillbeziehung”: Dito. Wenn das sexuell gemeint ist, dann wünsche ich viel Spass dabei. Ansonsten sehe ich keinen Unterschied zu einer hetero Stillbeziehung. Oder haben Lesben andere Brüste?

“mein sohn spielt mädchenspiele”: Ihr Sohn ist ein Kind. Mädchen sind Kinder. Er spielt Kinderspiele. Wo ist Ihr Problem?

Und ganz viele Menschen finden auf diesen Blog, weil sie Angst haben, dass ihrem Baby oder Kind etwas Schreckliches passiert. Bis zu einem gewissen Grad ist dies Angst normal und man muss als Eltern damit leben. Aber ich weiss auch, wie es ist, wenn die Ängste plötzlich Realität werden, ich habe auch darüber geschrieben: Die Angst einer Mutter. Nach so einem Erlebnis würde man sein Kind am liebsten nie mehr aus den Augen lassen. Was sage ich, Augen: Arme! Nie mehr aus den Armen lassen. Ein Leben lang festhalten! Dass das nicht gut ist, liegt auf der Hand. Wenn Sie es nicht alleine schaffen, darüber hinweg zu kommen oder wenn Ihre Angst dazu führt, dass Sie Ihr Kind einengen, dann sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt darüber oder lassen sich zu einer Fachperson überweisen. Ängste, die einem selber oder seine Familie in der Lebensqualität und freien Entfaltung einschränken, sind – wie ein Blinddarm – etwas, das es zu behandeln gilt. Und es macht keinen Sinn, sie selber behandeln zu wollen. Dafür gibt es Fachpersonen. Schliesslich würden Sie Ihren Blinddarm auch nicht selber entfernen, oder?

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Was wäre, wenn? Ramis in Irland (#BlogLeseLiebe)


Was wäre, wenn Langer und ich damals, 1999, von unserer Grossbritannienreise nicht mehr zurück gekommen wären? Was wäre, wenn wir dieses Cottage in den Bergen von North Wales gekauft hätten? Was wäre, wenn es mit diesem Job in Milton Keynes geklappt hätte? Was wäre, wenn wir einfach knallheimlich das Haus neben Kurzens Patenonkel gekauft hätten, als es zum Verkauf stand?

Ramis in Irland

Ramis in Irland

Bei Ramis aus dem Rheinland hat es mit dem Job geklappt und sie sind mit zwei Kindern (später kam noch ein Drittes hinzu) für ein paar Jahre in die Republik Irland, ins County Dublin gezogen. Wenn sie nicht gerade arbeiten, reisen sie mit ihren Kindern auf der grünen Insel herum und berichten darüber.

Milch auf dem Friedhofstor: Das gibt es nur noch in Irland

Milch auf dem Friedhofstor: Das gibt es nur noch in Irland

Was mir bei Ramis in Irland gefällt? Das Thema natürlich, die Fotos, die persönlichen Erfahrungsberichte, Barbaras Schreibstil, wie sie als Familie Orte erleben, die wir vor 15 Jahren als Paar kennen gelernt haben. Die Rubrik “Kindermund”, in der es viel um Zweisprachigkeit geht (und Problemen, die dem Deutsch-Französisch, das wir erleben, nicht unähnlich sind). Die “Road Signs”, über die wir beim Herumreisen ebenfalls viel gelacht haben.

Und weil der Hauptprotagonist der Geschichten die grüne Insel selber ist, gehört natürlich auch ein klein wenig Sehnsucht und Fernweh dazu… und beim Lesen immer der Song Belpmoos von Patent Ochsner im Hinterkopf: Irgend einisch gan i o!

 

 

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Welche Blogs liest Du?” fragte Mama Notes und bat andere Bloggerinnen und Blogger, ihre Lieblingsblogs zu besprechen und unter dem Hashtag #BlogLeseLiebe zu verlinken. In meinem Newsfeed stapeln sich über siebzig Einträge – wie soll man da auswählen? “Raus aus der Filterbubble” lautet der Untertitel der Aufgabe, weshalb ich hier keine typischen Elternblogs vorstelle – die kennt Ihr ja eh schon alle – sondern ein paar andere, die ich mehr oder weniger regelmässig lese.

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Visiting Houses & Gardens (#BlogLeseLiebe)


Welche Blogs liest Du?” fragte Mama Notes und bat andere Bloggerinnen und Blogger, ihre Lieblingsblogs zu besprechen und unter dem Hashtag #BlogLeseLiebe zu verlinken. In meinem Newsfeed stapeln sich über siebzig Einträge – wie soll man da auswählen?

visiting houses and gardens.bmp

Wer meinen Beitrag über das Buch Der Geheime Garten gelesen hat, kann sich ja denken, dass ich einen leichten Spleen für Britische Herrenhäuser und ihre Gärten kultiviere. Als wir während mehreren Monaten über die britischen Inseln tingelten – und auch bei diversen Urlauben vorher und nachher, buchten wir immer mal wieder eine Führung durch ein Herrenhaus oder entdeckten die Gärten zu Fuss, auf eigene Faust.

Ich lese viel, online und offline. Beruflich und privat, zur Bildung, Inspiration oder einfach nur Unterhaltung. Wenn Wetter, Stimmung und Arbeitsvolumen es zulassen, sitze ich dazu im eigenen Garten am Flüsschen und fühle mich wie im Urlaub.

Und manchmal schaue ich mir gerne Gärten im Internet an. Am liebsten englische Gärten, die so alt sind, dass sie aussehen wie von selber  gewachsen. Mit Mauern und Bäumen, Teichen und von Moos überwachsenen nackten Göttern. Und dann fange ich an zu planen, welches ich als nächstes gerne besuchen würde, sobald die Finanzen es wieder zulassen, nach GB zu fahren.

Hilfreich für diese Träumerei finde ich Robin Wires Blog Visiting Houses & Gardens. Robin hat sich vorgenommen, jedes der 1000 verzeichneten englischen “Houses” zu besuchen und zu fotografieren. Seine schönen Bilder und (manchmal kritischen) Berichte über die Häuser und Gärten machen mich träumen und sind darüber hinaus auch informativ für alle, die im Urlaub dorthin fahren möchten.

Meistens lese ich nur und denke “wow”, und “ist das schön dort” und träume ein wenig, bevor ich mich wieder an die Arbeit mache.

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Sarah Wiener Stiftung: „Landschaft schmeckt. Nachhaltig kochen mit Kindern“


Milch aus dem Beutel, Blumenkohl und Pommes Frites aus der Tiefkühltruhe. Immer mehr Kinder sind ihrer Nahrung entfremdet und wissen nicht so recht, was wie wo wächst oder produziert wird. Bei vielen Grundnahrungsmitteln wissen sie nicht mal mehr, wie sie aussehen, sich anfühlen und schmecken.

Sarah Wiener Stiftung: Landschaft schmeckt!

Sarah Wiener Stiftung: Landschaft schmeckt!

In immer mehr Haushalten wird nicht mehr gekocht. Immer mehr Kinder kommen hungrig oder mit ungesunder Nahrung (hohe Kaloriendichte, hoher Verarbeitungsgrad, wenige Nährstoffe) in den Unterricht. Wer sich von klein auf falsch ernährt, gefährdet unmittelbar seine Gesundheit mit dramatischen Risiken und Spätfolgen wie Diabetes, Bluthochdruck, orthopädischen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, schreibt die Sarah Wiener Stiftung auf ihrer Website.

Die Spitzenköchin Sarah Wiener hat mit Dr. Alfred Biolek und anderen die nach ihr benannte Stiftung gegründet, um etwas gegen diese Tendenz zu unternehmen. Unter ihrer Leitung werden Lehr- und Erziehungspersonen zu „Genussbotschaftern“ ausgebildet, die in ihren Schulen, Kindertagesstätten und anderen Institutionen Kindern die natürliche und nachhaltige Küche, sowie Grundwissen über Nahrungsmittel, ihre Herkunft, Saison usw. beibringen. Mit Klassenfahrten zum Biobauernhof „erleben die Kinder aus erster Hand, dass die Natur uns nährt. Sie dürfen das aktiv erfahren, indem sie zum Beispiel beim Pflanzen oder Ernten helfen, Bratwürste herstellen, beim Melken oder Imkern selbst Hand anlegen.“ (zitiert aus „Landschaft schmeckt“, Seite 11)

Um was es geht

Das Buch „Landschaft schmeckt“, geschrieben von Stephanie Lehmann, Kerstin Ahrens und Meike Rathgeber, ist die Quintessenz aus der praktischen Arbeit der 2007 gegründeten Sarah Wiener Stiftung.

Gegliedert ist es nach Nahrungsthemen: Kräuter, Obst, Getreide, Rohkost, Fisch, Wasser, Fleisch, Weltküche, Milch, Eier, industrielles Essen / Fertigessen, und last but not least Süssspeisen. Am Ende finden sich zahlreiche Tabellen, Saisonkalender und andere Informationen in Kompaktform.

Jedes dieser Kapitel beginnt mit einem Rezept in verschiedenen Varianten – und der Einladung zum Variieren und Experimentieren, je nach Saison oder erhältlichen Esswaren. Etwas was fehlt, lieber durch etwas anderes ersetzen als weite Transportwege in Kauf nehmen lautet die Devise.

Es finden sich Tipps und Tricks zur Haltbarmachung und zur Restenverwertung, Hintergrundinformationen über die nachhaltige Küchenpraxis, ernährungswissenschaftliches Basiswissen, erweiterte Informationen zur Nachhaltigkeit und „Tipps und Anregungen zum Nachmachen“, die im weiteren Sinn zum Thema gehören.

Im Teil „Spielwiese“ schlussendlich schlagen die Autorinnen jeweils zahlreiche Spiele und Experimente vor, die man mit Kindern verschiedenen Alters durchführen kann. Teilweise bringen sie den Kindern die jeweiligen Nahrungsmittel näher und teilweise streifen sie das Thema auch im weiteren Sinne. Aber immer laden sie zum Ausprobieren und Diskutieren ein.

Fazit

„Landschaft schmeckt!“ ist kein Kinderkochbuch. Es ist ein Lehrbuch über Nachhaltigkeit in der Nahrungsmittelproduktion, das sich an Eltern und andere Erziehungspersonen richtet. Trotzdem hat es einige Beispielrezepte drin, die mit Kindern nachzukochen richtig Spass macht. Natürlich hätte ich mich über mehr Rezepte von Sarah Wiener gefreut, aber dafür gibt es zahlreiche andere Bücher von ihr (Werbelink).

IMG_20140627_115957Nach dem letzten Besuch auf dem Wochenmarkt haben Kurzer und ich uns spontan dafür entschieden, die „Spaghetti mit Gemüse-Bolognese“ zu kochen, die auf Seite 122 vorgestellt wird. Es ist auch für einen Vierjährigen kein Problem, dabei mitzumachen und Spass zu haben – und dem Kind schmeckt es auf diese Weise gleich doppelt so gut. Sogar das Gemüse und „das grüne Zeug“ (alias „Gewürzkräuter“).

IMG_20140627_162045Ich habe beim Lesen sehr viel lernen können: Über Nahrungsmittel, verschiedene Qualitäten, graue Energie, Transportwege, Nachhaltigkeit, biologischen Landbau, Verarbeitungsgrad. Aber auch, wie man frisch kocht, wie man Geschmäcker testet, wie man in der Küche improvisiert, was man tun kann, wenn man zu viel gekocht hat. Und nicht zuletzt: Wie man sein Kind beim Einkaufen und Kochen mit einbeziehen kann.

IMG_20140627_170251Sehr positiv finde ich, wie die Autorinnen auf die Problematik der Fleisch- und Milchproduktion eingehen, deren Beitrag zum Treibhauseffekt erklären, wichtige Tierschutzaspekte besprechen, ohne gleich alles zu Verteufeln. Dabei gehen sie auch kurz auf Vegetarismus bzw. Veganismus und deren Vor- und Nachteile ein.

Ethisch gesehen vertreten sie eine Meinung, die man mit „Ja zu allem, aber mit Mass“ zusammenfassen könnte. Saisonal und regional heisst die Devise und immer möglichst alles verwerten. Da dies meiner eigenen Einstellung und Lebensweise gut entspricht, konnte ich von dem Buch sehr profitieren. Wer aus ethischen Gründen vegetarisch oder vegan lebt, wird dagegen nicht viel Freude daran haben: Eier, Milch, Fleisch und Fisch haben in der hier vorgestellten Küche eben so ihren Platz, wie Getreide und Gemüse.

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Klappentext:Mit Kindern nachhaltig kochen, worauf es dabei ankommt: Spass am Essen zu vermitteln, aber auch, die Sinne zu schärfen. Zu wissen, wo das Essen herkommt, wie es sich anfühlt, wie es schmeckt. Denn wer sich mit Ernährung auskennt, kann ein gesundes, selbstbestimmtes Leben führen.“

„Landschaft schmeckt. Nachhaltig kochen mit Kindern.“
Sarah Wiener Stiftung (Texte von Stephanie Lehmann, Kerstin Ahrens und Meike Rathgeber)
Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 2014
ISBN 978-3-407-75396-0
Preis CHF 25.40 / € D 17.95 / € A 25.40

Bestellen über meinen Partnerlink bei amazon.de:

Website der Sarah Wiener Stiftung:

Leseprobe beim Beltz Verlag:

 

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Ernetztes und Vernetztes im Juni 2014


Warten auf die Beute (Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Was ist mir diesen Monat ins Netz gegangen?
(Bild Gitti Moser @ pixelio.de)

Nach dem Strandurlaub, bei dem sich 36° Grad im Schatten locker aushalten liessen, solange ich mich nur nicht übermässig bewegte – alle paar Minuten der leichte “Klick” mit dem rechten Ringfinger auf den Display des Kindles brachten mich schon ins Schwitzen – und in der Gewissheit, dass Langer sich mit Kurzem im und am Wasser köstlich amüsierte und seinen Spieltrieb auslebte, hat jemand eine Ahnung auf was ich mit diesem Satz hinauswollte? Ich weiss es nicht mehr, die Gedanken schwimmen davon und die Augenlider senken sich schon wieder. Ich geb’ dem Drang mal anstandshalber nach, man will ja nicht unhöflich zu sich selber sein.

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Journelle nervt sich über das “echte Männer pinkeln öffentlich”-Gejammer von Wolfgang Bergmann und anderen. Ich schliesse mich dem einfachheitshalber an, statt es selber zu verbloggen (heraus käme sowieso nur ein böser, böser Rant eines bösen Weibes): Das böse Weib.

Zum Thema “Feminismus” hat Alphamädchen Meredith Haaf in der Süddeutschen viel Selbstkritisches und Nachdenkenswertes geschrieben: “Wie ein Parasit hält sich eine publizistische Feminismusverbesserungs-Industrie am Leben, indem sie jene große Frage, wie die Gesellschaft gerechter werden kann, umwälzt auf die ungleich leichter zu beantwortende Frage, was am “Feminismus” unangenehm, abschreckend oder kompliziert ist.” Weiterlesen unter: Die schreckliche Macht der fiktiven Horrortussi.

Der Kinderdok schrub einen interessanten Artikel Über das Wissen und weshalb in manchen Fällen ein Allgemeinmediziner halt doch besser Bescheid weiss, als googelnde Eltern.

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Die monatliche Linksammlung ist leider etwas bescheiden ausgefallen, aber nicht, weil niemand Gutes geschrieben hätte sondern weil ich das Notieren und Kommentieren vor mir hergeschoben habe und ständig Anderes dazwischen kam. Tja, nächsten Monat dafür wieder mehr.

Tagesaktuelle Linktipps findet Ihr jeweils auf meiner Facebookseite: https://www.facebook.com/MamahatjetztkeineZeit

 

 

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Feminismus und Mutterschaft: Kind dabei und Hände frei


Schon vor einigen Wochen rief “glücklich scheitern” auf ihrem Blog zur Interviewreihe Feminismus und Mutterschaft auf. Obwohl die Reihe schon seit ein paar Wochen zu Ende ist, möchte ich die Fragen noch beantworten.

The Gale

Mutter und Feministin: Kind dabei und Hände frei!

Dein Name (egal ob klarname, pseudonym, blog…)

Katharina alias “Mama hat jetzt keine Zeit”.

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

Ich darf einen leiblichen Sohn auf seinem Weg zum erwachsen Werden begleiten. Er ist ein geplantes Wunschkind, und ich bekam ihn erst mit 38 Jahren. Sein Vater und ich leben seit 1991 zusammen, und Kinder waren zwar immer mal wieder ein Thema, doch für uns stimmten die Bedingungen nie. Unser Traum wäre gewesen, gemeinsam zu arbeiten und unser(e) Kind(er) gemeinsam zu betreuuen. Sie im Geschäft bei uns zu haben, solange sie nicht zur Schule gingen oder lieber mit ihren Kumpels spielten. Wir wollten das Kind weder “wegorganisieren”, noch unser eigenes Leben für es aufgeben müssen. Die Vision war, das Kind in unser Leben zu integrieren, unser Leben mit ihm teilen zu können.

Leider wurde dann die Zeit knapp, bevor wir die Bedingungen erfüllt sahen und wir mussten uns entscheiden: Jetzt oder gar nicht.
(aber bereut haben wir die Entscheidung nicht)

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

Ja, er spielt eine grosse Rolle, sowohl als mein Lebensgefährte, als auch als Vater für den Kleinen. Er übernimmt echte Verantwortung als Vater, auch wenn rein zeitliche gesehen sein Teil an der Betreuungsarbeit kleiner ist.

Teilst Du Dir die Sorgearbeit fürs Kind mit jemandem? Wie? Und wie wäre es Dir am Liebsten?

Die Betreuungs- und Sorgearbeit teilen mein Gefährte und ich mit ganz vielen Leuten. Einerseits sind da meine Eltern, die einen Tag die Woche übernehmen. Zahlreiche Nachbar*innen und Co-Mütter im Dorf, wo der Kurze mit wachsender Autonomie ein- und ausgeht und auch mal einen Nachmittag verbringt, wenn er Lust dazu hat oder meine Arbeit als Freiberuflerin es erfordert.  Und dann wäre da noch die Kita, wo er ebenfalls einen Tag die Woche verbringt.
Wie weiter oben beschrieben wäre unser liebstes Modell gewesen, gemeinsam zu arbeiten und gemeinsam zu betreuen. Oder doch wenigstens 50/50 zu machen. Wobei das auch theoretisch ist, denn als wir uns solche Visionen erträumten, haben wir schlicht die möglichen Bedürfnisse und Wünsche des Kurzen – als eigene Person – nicht mit eingedacht. Er ist bisher ein eher schüchternes, anhängliches Kind, dass nur langsam enge Beziehungen zu “neuen” Menschen eingeht und in grösseren Gruppen ist ihm unwohl. Aber trotzdem spielt er gerne mit anderen Kindern. Von dem her ist es genau richtig, wie es sich schliesslich ergeben hat.

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst: Wie teilst Du Dir Lohn- und Sorgearbeit? Gab es dazu “Verhandlungen”? Was waren die Gründe für Eure Arbeitsteilung?

Nein, gross Verhandlungen gab es nicht. Grundsätzlich träumten wir denselben Traum. Und dass es dann anders kam (mein Gefährte 100% erwerbstätig, ich freiberuflich selbständig mit varialem Pensum), lag an äusseren Umständen (meinen Ex-Arbeitgeber) und unvorhergesehenen Entwicklungen (der Gesundheitszustand von Kurzem im ersten Jahr).

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

Nein. Ich muss dazu aber sagen, dass sich mein Feminismusverständnis mit der Mutterschaft verändert hat. Im Vorfeld hatte ich das Biologische – oder soll ich sagen, was mit einem passiert wenn der “Tier-Teil” streckenweise die Kontrolle über den “Kultur-Teil” übernimmt – völlig unterschätzt.  Ich war immer (und bin es auch heute meistens noch) eine rationale Person, die viel nachdenkt, bevor sie entscheidet und noch viel mehr, bevor sie handelt. Sehr kopflastig halt. Die Hormonstürme während der Schwangerschaft und erst recht nach der Geburt haben mich dann regelrecht umgehauen. Gerade die Komplikationen während und nach der Geburt riefen in mir die Säugetiermutter wach – damit hatte ich nicht gerechnet, und hätte mir das jemand im Voraus gesagt, ich hätte es nicht geglaubt.
Und dieser Säugetieranteil kam tatsächlich mit meiner feministischen Einstellung in Konflikt, jedenfalls zu Beginn. Mit den Wochen und den Monaten hat sich einerseits der Hormonsturm gelegt, andererseits aber auch meine Selbstdefinition und Identifikation als Feministin verändert.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom “guten Mutter- und Feministin-Sein” leben zu können?

Ich würde “Feminismus” in Anführungs- und Schlusszeichen setzen. Denn Feminismus, Feministin zu sein, ist ja nicht das Ziel. Das Ziel ist Selbstbestimmung. Dazu gehört für mich ökonomische Unabhängigkeit. Sobald wirtschaftliche Abhängigkeiten ins Spiel kommen, ist es mit der Selbstbestimmung dahin und schlussendlich ist es egal, ob man von einem/r Partner/in oder vom Staat abhängig ist: Man muss einen Teil seiner Selbstbestimmung aufgeben.
Deshalb halte ich die Möglichkeit, auch mit Kind mindestens ein Existenzeinkommen erarbeiten zu können, für die Conditio Sine Qua Non für echte Emanzipation. Das “wie” sollte man jedoch den Menschen überlassen. Kitas für alle halte ich für eben so falsch wie Hausfrauenehe für alle. Also oberste staatliche Rahmenbedingung würde ich mir in erster Linie wünschen, dass der Staat aufhört, alle die individuell nach neuen Wegen ausserhalb der Hausfrauenehe suchen, Steine in den Weg zu legen oder steuerlich zu benachteiligen! Damit wäre schon viel gewonnen.

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

Meine “feministische” Vorbildung hilft mir sicher, gewisse Dinge und Abläufe bewusster wahrzunehmen und/oder gezielt zu hinterfragen. Ich erziehe meinen Sohn zum Selberdenker und lehre ihn gleichzeitig Respekt gegenüber anderen Menschen und Tieren – DAS ist, was ich “feministische” Erziehung nenne. Respektive “emanzipiert” und “selbstbestimmt” würden es wohl besser treffen.
Dabei gehe ich natürlich das Risiko ein, dass er auch mal anderer Meinung sein wird, als ich. Ihm jedoch meine Vorstellung von Feminismus aufzupfropfen würde meiner Vorstellung von Selbstbestimmtheit genau so wiedersprechen wie das Runterbeten von Genderstereotypen und “das macht man eben so weil alle es so machen”.

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

In meinem Umfeld diskutiere ich selten bis nie über den theoretischen Überbau “meines” Feminismus. Wir sind hier aber eine gute Truppe von Müttern und Vätern, die zahlreiche praktische Projekte auf die Beine stellen und im Quartier schon fast einen “Stamm” bilden, in dem man sich gegenseitig praktisch unter die Arme greift und zusammen arbeiten.
Das geht weit über das gegenseitige Babysitten hinaus. Beispielsweise haben wir in nur sechs Monaten einen Kinderhort für die ausserschulische Betreuung auf die Beine gestellt und die nötige Finanzierung beschafft.
Und all das läuft unanbhängig der sonstigen politischen Einstellungen und sozialer Herkunft. Von altem Adel bis Lesbenkommune ist so ziemlich alles vertreten.

Daneben bin ich aber auch dankbar für all die Internetkontakte, wo ich mich Menschen mit ähnlichem Bildungsstand auch mal über allgemeinere Probleme oder politische Themen diskutieren, oder auch mal ein böses Erlebnis “abladen” oder mitten in der Nacht Trost und Zuspruch finden kann. Was Susanne Mierau den “Internet Online-Clan” genannt hat. Danke dafür!

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

Ich muss da differenzieren:

Einerseits halte ich ein eigenes, existenzsicherndes Einkommen für die Grundbedingung, damit Emanzipation/Selbstbestimmung überhaupt möglich ist. Ohne eigenes Geld geht das in unserer kapitalistischen Gesellschaftsform nicht. Ob dieses Einkommen jedoch erarbeitet wurde oder es sich um ein bedingungsloses Grundeinkommen handelt, ist dabei gar nicht so wichtig.

Andererseits ist für mich eine Aktivität, im Sinne von Hanna Arends Vita Activa ebefalls sehr wichtig. Diese kann, aber muss nicht, ein Einkommen erwirtschaften. Ich selber brauche das Lernen, das Lesen, das Recherchieren und auch das Durchdenken und Aufschreiben, wie die Luft zum Atmen. Ohne könnte ich nicht.

Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch eine solche Tätigkeit hat, die ihn ausfüllt und ihm tiefe Zufriedenheit verschafft. Für manche Mutter mag das die Beschäftigung mit dem Kind sein, für andere vielleicht ein Hobby.

Wenn “Herz-Beschäftigung” mit Erwerbsarbeit zusammenfallen, ist es am Schönsten und ich bin meinem Gefährten sehr dankbar, dass er mir das ermöglicht, indem er die wirtschaftlich noch unrentable Anlaufszeit finanziell abpuffert. Honey, ich schulde Dir was!

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

Mit unserer Idee, Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit wortwörtlich zu vereinbaren und das Kind ins Arbeitsleben zu integrieren statt es davon auszuschliessen, stehen mein Partner und ich hier in unserer Wohngegend fast allein auf weiter Flur. So starb das angedachte Eltern-Kind-Büro (nach dem Vorbild des Leipziger Rockzipfels) nicht nur am galoppierenden Amtsschimmel, sondern auch an mangelndem Interesse unserer Mit-Eltern.

Was mich ebenfalls zu lang anhaltenden Wutanfällen verführt, ist die landesübliche Meinung, dass eine Mutter, die von zuhause aus arbeitet, sowieso immer Zeit für jeden Mist hat und wenn sie sich weigert, hier mitzuspielen, als schlechte Mutter taxiert wird. Ich spreche vom Geburtstagskuchen-Wettbewerb und anderen Supermum-Contests. Der Rechtfertigungsdruck (“aber ich arbeite”, “ja, haha, Hausfrausein ist auch ein Hundertprozentjob”) ist unglaublich! Aber man gewöhnt sich daran und filter seine sozialen Kontakte entsprechend aus.

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Julia Dibbern: „Geborgenheit. Wie Kinder sie spüren und Eltern sie geben können“


Das „damals-war-die-Welt-noch-in-Ordnung“-Gefühl, mit dem wir uns als Erwachsene manchmal an unsere eigene, „glückliche“ Kindheit zurück erinnern; Das, nach dem wir uns machmal zurück sehnen, es lässt sich in einem einzigen Wort zusammenfassen: Geborgenheit.

Julia Dibbern: Geborgenheit

Julia Dibbern: Geborgenheit

Julia Dibbern, die Autorin von „Geborgene Babys“ (Werbelink) und ehemals selbständige Verlegerin (Anahita-Verlag) und Mit-Initiatorin des „Artgerecht-Projekt“, hat ein neues Buch verfasst. „Geborgenheit. Wie Kinder sie spüren und Eltern sie geben können“ ist in der Reihe Beltz Nikolo erschienen, in der unter dem Titel „Mit Bilderbüchern die Welt entdecken“ Lehrmaterialien für Kitas und Kindergärten erscheinen.

Das Bilderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch (Werbelink) ist dann auch der rote Faden, der sich durch das 115 Seite dünne Büchlein zieht.

Inhalt

Nach einer Einführung beschreibt Dibbern im Kapitel „Was Geborgenheit ausmacht“ die biochemischen und biologischen Hintergründe von Geborgenheit und erklärt, wie Urvertrauen entsteht.

Danach lässt sie im Kapitel „Geborgenheit, das ist wenn… Gespräche mit Kindern“ die Kinder gleich selber zu Wort kommen.

In „Geborgenheit geben“ geht die Autorin auf vier verschiedene „Methoden“ ein, wie man als Eltern oder Bezugsperson den anvertrauten Kindern Geborgenheit vermitteln – oder es wenigstens versuchen – kann.

Im Kapitel „Geborgen in Büchern“ schlussendlich schreibt sie über das Philosophieren mit Kindern, wie das Vorlesen oder gemeinsame Lesen Rituale stiften kann (die ihrerseits Geborgenheit vermitteln) und wie Geschichten/Bücher als Basis für ein Gespräch über Gefühle oder Verhaltensweisen dienen können.

Die Grundlagen von Urvertrauen und Geborgenheit und wie man sie dem Kind vermitteln kann

Ich öffnete das Buch in der Hoffnung, dass es sich um eine Fortsetzung des ersten Buches der Autorin handelte. „Geborgene Babys“ war für mich einer der wichtigsten Babyratgeber, Mut machend, aufbauend, praxisorientiert.

Vielleicht waren meine Erwartungen also zu hoch gesteckt? Vielleicht hatte ich zu viel Hoffnungen auf ein schnelles Allerweltsrezept gesetzt, mit dem ich all unsere aktuellen Probleme ausschalten könnte? Oder hatte ich den Klappentext nicht richtig gelesen?

Also erstens ist das Buch Teil eines Gesamtpaketes zum Thema „Geborgenheit“, das sich nicht nur an Eltern, sondern auch an Erziehungspersonen in Kitas und Kindergärten richtet.

Beim ersten Mal habe ich es mit dem „Kinderblick“. Der Überblick über Geborgenheit, die verschiedenen Emotionen, Sicherheitsempfinden, aber auch Stress und Unsicherheit habe ich intensiv studiert und dabei darüber nachgedacht, wie dieses oder jenes sich für mich angefühlt hatte, als ich selber ein Kind war. Da hatte ich tatsächlich während des Lesens auch mal feuchte Augen und sehnte mich nach dem verlorenen Paradies.

Da ich nach dem ersten Durchlauf ein nicht erfassbares, eigenartiges Gefühl hatte – ohne es jedoch benennen zu können – habe ich das Buch einige Wochen später ein zweites Mal gelesen, diesmal mit dem „Eltern-Blick“. Was kann ich als Mutter daraus lernen, habe ich mich gefragt. Was kann ich konkret tun, um meinem Kind ein gutes Urvertrauen, das Gefühl zu vermitteln, dass es in dieser Welt, in dieser Familie, in Sicherheit ist?

Und da hat sich mir beim Lesen streckenweise die blanke Wut eingestellt. Denn wenn man den Text so liest, kommt man zum Schluss, dass bei uns schon bei der Geburt alles falsch gelaufen wäre. Futsch, aus, nix mehr zu korrigieren, Urvertrauen im Eimer, die Fähigkeit, überhaupt Geborgenheit fühlen zu können, auf Ewig zerstört. Und Schuld bin natürlich ich als Mutter, weil ich es nicht geschafft habe, Stress von meinem Uterus und seinem Inhalt fernzuhalten.

So könnte man es lesen.

Nicht jedes Kind, dessen Grundbedürfnisse zu kurz kamen, erwartet zwangsläufig eine Zukunft als unglücklicher Erwachsener“, schreibt Dibbern auf Seite 30. Immerhin.

Auch wenn ich ganz sicher bin, dass Julia Dibbern es nicht so gemeint hat: Sie schafft es leider nicht ganz, die Verantwortung (und somit Schuld) für teilweise unkontrollierbare Umweltfaktoren von den Eltern, den Müttern, wegzunehmen.

Bitte liebe Julia, versuche das in der nächsten Auflage noch zu verfeinern.

Nun aber genug der Kritik

Der Autorin ist nämlich insgesamt eine gut verständliche Übersicht auf dem aktuellen Stand der Forschung zum Thema Geborgenheit gelungen. Zur Vertiefung bietet sie am Ende des Buches weiterführende Literaturangaben an.

Am besten gefiel mir persönlich das Kapitel „Geborgenheit, das ist wenn…“, wo die Kinder selber zu Wort kommen. Das fand ich – mit meinem Vorwissen – spannender und lehrreicher als das Einführungskapitel. Denn es ist wahr, wir handelt meistens aus Elternsicht und viel zu selten fragen wir unser Kind direkt: „Wann ist Dir heimelig? Was braucht es, damit Du entspannt sein und Dich sicher fühlen kannst?“

Kinder haben eine andere Perspektive, als wir Erwachsenen. Wir machen uns Ideen, antizipieren, und interpretieren auf der Grundlage unserer eigenen Erfahrungen. Aber auch sehr junge Kinder haben bereits eigene Erfahrungen und die sind unabhängig von unseren eigenen Ängsten, die sehr oft unsere Entscheidungen als Erwachsene beeinflussen. Danke deshalb für dieses Kapitel!

Auch den Abschnitt Geborgen in Büchern finde ich sehr gelungen, praxisnah und gerne hätte ich hier mehr gelesen als die knappen 13 Seiten.

Mit Vorlesen kann man den Tag strukturieren, oder man kann Nähe und Geborgenheit dort finden, wo wegen Konflikten andere Worte fehlen.

Ein vorgelesenes Buch, eine erzählte Geschichte, kann als Brücke für ein Gespräch über Gefühle oder Ereignisse dienen oder als Grundlage für ein philosophisches Gespräch.

Und nicht zuletzt lernen Kind mithilfe von Geschichten und Büchern: Ohne es zu merken erweitern sie ihren Wortschaft und ihr Wissen ganz automatisch.

Dieser Teil wäre eigentlich fast ein eigenes Buch wert! Hoffentlich erweitert ihn die Autorin in der zweiten Auflage!

Fazit

„Geborgenheit“ ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch. Mehr als einen flüchtigen Überblick über das Thema vermittelt es zwar nicht – diesen dafür in einer gut verständlichen und emotional nachvollziehbaren Art und Weise. Neue Aspekte sind die Perspektive der Kinder sowie die Idee, mit Bücher und Geschichten dort Geborgenheit zu vermitteln, wo andere Worte aus Gründen nicht ausreichen.

Als Mutter, als Elternteil, darf man beim Lesen nie vergessen, dass das Buch auch andere Erziehungspersonen anspricht: Kita-EPs und Kindergarten-LPs. Es besteht die Gefahr, dass man mit dem Appell-Ohr liest und sich kritisiert fühlt und es ist hilfreich, wenn man versucht, es beim Lesen auszuschalten.

Ich freue mich bereits jetzt auf weitere Schriften aus der Reihe „Grosse Gefühle“ von Beltz Nikolo.

(eine Leseprobe von 18 Seiten kann auf der Website von Beltz Nikolo als *.pdf herunter geladen werden)

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Klappentext: „Ob ein Mensch beherzt oder verzagt durchs Leben geht, hängt von der Geborgenheit ab, die er als Kind erfährt. Dieses Buch zeigt, wie Kinder sie spüren und Eltern sie geben können.
Erste Weichenstellungen: Wie Urvertrauen entsteht und was im Gehirn passiert.
Starke Bindung: Nähe schenken und Gefühle anerkennen.
Intuition und Aufmerksamkeit: Dem eigenen Blick vertrauen.
Bilderbücher als Brücke: Eine gemeinsame Sprache finden.
Gespräche mit Kindern: Wie sie fühlen.
In den grossen Gefühlen liegt der Schlüssel zu den inneren Welten der Kinder.“

„Geborgenheit. Wie Kinder sie spüren und Eltern sie geben können.“
Julia Dibbern
Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 2014
ISBN 879-3-407-72712-1
Preis CHF 18.60 / € D 12.95 / € A 30.40

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Weitere Bücher der Autorin:

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Stress und Burnout bei Müttern (bei Lokalo24.de)


logo lokalo24.deMan weiss zwar irgendwie, dass ganz viele Mütter im Bekanntenkreis auf dem Zahnfleisch gehen, aber dass insgesamt ein Viertel aller Mütter – auf Deutschland hochgerechnet sind das 2.1 Millionen Menschen – davon betroffen sind, hätte ich nicht gedacht.
Weiterlesen:
Stress und Burnout bei Müttern – Familie.

 

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Was der Schnuppertag in der Schule mit dem Autofahren zu tun hat


Kurzer freut sich auf die Schule, sagt er. Denn dann könne er endlich das Autofahren lernen, sagt er.

Bild: Steglich / pixelio.de

Bild: Steglich / pixelio.de

Neulich war bei uns Schnuppertag in der Schule. Mit Harmos beginnt die obligatorische Schulzeit ja schon zwischen vier und fünf Jahren und dauert geschlagene elf Jahre, während denen wir zur Hochsaison in Urlaub zu fahren gezwungen sein werden und längere Überlandreisen unmöglich sind.

(wobei ich kürzlich erfahren habe, dass streng genommen der Unterricht obligatorisch ist und nicht die Schule, Homeschooling wäre also möglich, sollten wir wider Erwartens das Budget für eine Weltreise zusammenkratzen, bevor wir im AHV-Alter sind)

Kurzer mag natürlich, wie sein Vater und ich, grosse, schwere Fahrzeuge mit Vierradantrieb einer aus Film (Lara Croft) und Fernsehen (Born Free) bekannten britischen Automarke. Und natürlich möchte er so schnell wie nur irgend möglich damit fahren lernen. Damit das Genöle aufhört, habe ich ihm vor langer Zeit schon erklärt, dass er das erst dürfe, wenn er die Schule fertig habe, und gross genug sei, um die Pedale erreichen zu können (Zweiteres ist schon bald der Fall, er ist ja auch schon 4.5jährig).

Am Abend vor dem Schnuppertag lagen wir so im grossen Bett und debrieften wie immer den Tag. Ich klärte Kurzen auch darüber auf, dass er am nächsten Tag früh raus müsste, da wir wie gesagt die Schule besuchen und seine Lehrerinnen kennen lernen würden.

“Und am Nachmittag lerne ich Auto Fahren”, antwortete er mit ernstem Nicken.
“Wie kommst Du denn darauf?” fragte ich verblüfft.
“Weil Du es versprochen hast, Mama: Nach der Schule darf ich Auto Fahren lernen!”

Jetzt frage ich mich natürlich die ganze Zeit, wie ich aus DER Nummer mit Anstand wieder rauskomme.

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